Port. Galeere

Portugiesische Galeere
(Engl.: Portuguese-man-of-war oder blue-bottle)

portgalDie Bezeichnung „Staatsqualle“ ist nicht korrekt, da diese Qualle eine Polypenkolonie darstellt, eine „Quallen“-ähnliche Medusenform aber fehlt. Der Name „Portugiesische Galeere“ ist daher eher zutreffend.

Verbreitungsgebiete:

In allen Ozeanen, vorwiegend im tropischen Atlantik bis hin zu den Hebriden, der Karibik und (selten) im Mittelmeer. Eine kleinere Unterart kommt im Indo-Pazifik vor, besitzt nur eine Tentakel pro Gasblase und ist weniger gefährlich.

Vergiftungsumstände:

Da die Galeere an der Wasseroberfläche treibt und ihre bis zu 20 m langen, dicht mit Nesselkapseln besetzte Fangfäden hinter sich herzieht, stellt sie besonders für Schwimmer eine Gefahr dar. Gerät ein Schwimmer in die Tentakeln, was sofort mit erheblichen Schmerzen verbunden ist, so gelingt es ihm nur selten, sich davon zu befreien. Meist werden durch die unkontrollierten, von Panik bestimmten Bewegungen der Arme und Beine, mehr und mehr Kontakte mit den Tentakeln hergestellt. Oft sind sie regelrecht um die Extremitäten und den Körper gewickelt.

Vorsichtsmaßnahmen:

Wenn am Strand angeschwemmte oder im seichten Wasser treibende Portugiesische Galeeren gesichtet werden: Nicht baden! In Australien werden bei „jellyfish alert“ (Quallenalarm) Strände gesperrt. Es ist unter diesen Umständen sehr riskant, ins Wasser zu gehen. Zwar schützt ein „Stinger suit“ recht gut, doch bleiben meist Hände und Gesicht ungeschützt.

An den Strand gespülte Galeeren nicht berühren! Die Tentakeln enthalten noch aktive Nesselkapseln, die auch das Eintrocknen überstehen. Erneut benetzt, entladen sie sich leicht. Sie durchdringen selbst chirurgische Gummihandschuhe

Vergiftungserscheinungen:

Die Galeere enthält ein komplexes Gemisch toxischer Proteine. Ein Hautkontakt führt unmittelbar zu einem starken Schmerz. Er wird unerträglich, vor allem wenn größere Körperpartien betroffen sind. Es entwickelt sich sofort eine Utrikaria (Nesselfieber), die Haut fühlt sich feucht an, Folge eines lokalen Schweißausbruchs. Bei intensiver Vernesselung kann es zur Blasenbildung kommen. Die Schmerzen breiten sich über die gesamte betroffene Körperregion aus. Bewegungen verstärken den Schmerz.

Eine schwere Vergiftungssymptomatik kann zu Nierenversagen und anderen Komplikationen führen. Auch unspezifische Symptome wie Übelkeit und Erbrechen, Fieber, aber auch Bewusstseinstrübung, schockähnliche Symptome, Atem- und Herz-Kreislaufbeschwerden können auftreten.

Erste Hilfe:

Ein spezifisches Antiserum gibt es nicht.

Die Behandlung muss daher weitgehend symptomatisch erfolgen. Auf Herz-Kreislaufprobleme muss man ebenso vorbereitet sein wie auf einen plötzlichen Atemstillstand. Auch kann sich eine Schocksymptomatik sehr schnell entwickeln. Die bekannten Todesfälle ereigneten sich innerhalb von Minuten nach intensivem Kontakt mit den Tentakeln. Hier waren Erste Hilfe-Maßnahmen und ärztliche Bemühungen erfolglos. Wenn jedoch lebensbedrohliche Reaktionen, die auf die direkte Giftwirkung zurückzuführen sind, nicht sofort auftreten, so lassen sie sich meist erfolgreich behandeln. Hingegen stellen die sich anschließenden Komplikationen noch ein klinisch ungelöstes Problem dar.

  • Sofort Wasser verlassen bzw. den Verletzten umgehend bergen, da bei plötzlicher Bewusstlosigkeit die Gefahr des Ertrinkens besteht.
  • Der Verletzte leidet in der Regel unter starken Schmerzen, reagiert häufig emotional, daher beruhigend auf ihn einwirken.
  • Bewegungen vermeiden (sie verstärken die Schmerzen).
  • Betroffene Hautareale zunächst nicht berühren und verhindern, dass sich der Verletzte kratzt, was sofort zur Entladung weiterer Nesselkapseln führt.
  • Atem-, Herz- und Kreislauffunktionen überwachen.
  • Bei Atemstillstand sofort Mund-zu-Mund-(oder -Nase)-Beatmung, u. U. externe Herzmassage.
  • Die noch auf der Haut klebenden vorsichtig entfernen, um weitere Entladungen zu vermeiden. Am wirkungsvollsten geschieht die mit Haushalts-Weinessig (5 %-ige Essigsäure). Hiermit sollen die betroffenen Hautstellen übergossen werden, und zwar so, dass sich die noch vorhandenen Tentakeln und Gewebereste damit voll saugen (an vielen Stränden Australiens stehen solche Flaschen zur Verfügung).
  • Ist Weinessig nicht erreichbar, die Haut gut mit Seewasser spülen, erst dann vorsichtig die Tentakeln abziehen (mit Pinzetten, u. U. Handschuhen) und die Reste mit einem (Taucher-) Messerrücken vorsichtig abschaben, u. U. Sand aufstreuen, sich voll saugen lassen und vorsichtig abtragen bzw. abschaben.