Giftige Meerestiere

Das Meer und giftige Unterwassertiere als Quelle von Naturstoffen

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Die Natur steht Modell: Immerhin ein Drittel der derzeitigen „Blockbuster“ der Pharmaindustrie sind Naturstoffe oder aus ihnen abgeleitete Strukturen. Bisher sind insgesamt ca. 120.000 verschiedene Naturstoffe beschrieben worden. Jedoch lediglich 10.000 von ihnen stammen aus der Unterwasserwelt. Dabei weist das Meer, das 70 % unseres Planeten bedeckt, eine deutlich größere Vielfalt von Lebensformen auf als die Flora und Fauna.

Mit allen Tricks und Finessen wird vor allem im Korallenriff eine chemische Kriegsführung eingesetzt. Gifte finden sich dort in fast allen Tiergruppen, bei Fischen und Seeigeln, bei Schnecken und Schwämmen. Auch die Korallen, etwa die Feuerkoralle Millepora, verursacht beim Menschen schmerzende Hautreizungen.

Einige Meerestiere übertreffen sogar die gefährlichsten Gifttiere auf dem Land. So ist das Toxin der Krustenanemone Palythoa 13-mal tödlicher als das des australischen Taipan, der giftigsten Schlange der Erde.

Biologen schätzen, dass mindestens 1200 Fischarten über Toxine verfügen. Diese Fische sind entweder kunterbunt oder auffällig gemustert. Sie signalisieren mit ihrer Maskerade, dass Räuber ihnen lieber nicht zu nahe kommen sollten. Oder es handelt sich um plumpe, unscheinbare Geschöpfe, die sich – wie das Petermännchen, einer der wenigen Giftfische Deutschlands – zur Tarnung im Sand vergraben oder sich im steinigen Untergrund verbergen. Sie besitzen meist Dornen oder spitze Flossenstacheln auf dem Rücken, die insbesondere Badenden zum Verhängnis werden können.

Je nach Art lösen Giftfische beim Menschen Symptome von starken Schmerzen und Ödemen über Übelkeit, Herzrasen und Atemnot bis hin zu Kreislaufkollaps aus und können im Einzelfall auch zum Tod führen. Als besonders gefährlich gelten die im Indopazifik verbreiteten Steinfische.               

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Hinweise für Taucher, Schnorchler und Schwimmer

Gifttiere begegnen dem Schwimmer als Quallen oder als stacheltragende Fische, auf die er im seichten Wasser trifft. Dem Schwimmer gegenüber ist der Schnorchler und Taucher im Vorteil, da er durch seine Maske unter Wasser sehen kann.

Für den Schwimmer gelten folgende Empfehlungen:

  • Vorsicht beim Baden an menschenleeren Stränden, dort vor allem nie alleine baden. Quallen sind im Wasser oft unsichtbar. Nicht ins Wasser gehen, wenn Quallen (wie die charakteristischen Gasblasen der Portugiesischen Galeere oder eine Seewespe) angeschwemmt wurden.
  • Beim Laufen über eine Riffplattform knöchelhohe Turnschuhe tragen: es besteht nicht nur Verletzungsgefahr durch scharfe Steinkanten, sondern auch durch Seeigelstacheln und Giftstacheln von Fischen (wobei das Tragen von Turnschuhen oder Füsslingen nicht immer ein absoluter Schutz ist).
  • Vorsicht beim Baden an menschenleeren Stränden, dort vor allem nie alleine baden. Quallen sind im Wasser oft unsichtbar. Nicht ins Wasser gehen, wenn Quallen (wie die charakteristischen Gasblasen der Portugiesischen Galeere oder eine Seewespe) angeschwemmt wurden.
  • Nächtliches Baden ist durch vermehrtes Auftreten von Seeigeln besonders riskant.
  • Hinweise von Einheimischen beachten: Durch Quallen gefährdete Strände werden manchmal gesperrt. Darüber hinaus sollten Schnorchler folgende Regeln beachten:
  • Werden Quallen gesichtet, ist erhöhte Vorsicht geboten, gegebenenfalls Wasser sofort verlassen.
  • Nicht direkt über dem Sandboden schwimmen bzw. schnorcheln (Vorsicht, eingegrabene Stechrochen).

Dem Taucher, der mit einem Neoprenanzug ausgerüstet ist, kann eigentlich nicht viel passieren. Es ist selbst in warmen tropischen Gewässern stets ein Anzug zu empfehlen, der Arme und Beine bedeckt (und auch vor Auskühlung schützt). Ein erfahrener Taucher soll selbständig darüber entscheiden dürfen, mit welcher Ausrüstung inkl. Handschuhe und Messer getaucht wird und sich nicht Einschränkungen vor Ort beugen, es sei denn, sie sind gesetzlich vorgeschrieben.

Folgende Vorsichtsmaßnahmen helfen, Unfälle mit Gifttieren unter Wasser zu vermeiden:

  • Nichts anfassen.
  • Beim Eintauchen in Höhlen den Tieren (Rochen, Rotfeuerfische etc.) Flucht-möglichkeiten offenlassen.
  • Nicht in Löcher oder Höhlen hineingreifen.
  • Nicht dicht über dem Boden schwimmen (eingegrabene Stachelrochen).
  • Nicht versuchen, Skorpionsfische oder Rotfeuerfische mit der Hand zu fangen, Tiere nicht reizen, keine „Streichelaktionen“.
  • Keine Anfütterungen.
  • Beim Auftauchen nach oben blicken.
  • Neoprenanzug nach Kontakt mit Schwämmen, Quallen, Korallen und Seegurken (klebrige Cuviersche Schläuche) gut auswaschen.
  • Bei Nachttauchgängen Bodenkontakt vermeiden; besonders beim Eintieg von Land aus auf Seeigel achten, möglichst auf hellem Sandgrund gehen.

Gifttiere sind nach wie vor eine seltene Ursache von Tauchunfällen: der Weg zum Meer ist oft gefährlicher als das Tauchen selbst.

In klinischen Prüfungen werden zur Zeit Wirkstoffe folgender mariner Naturstoffe getestet:

 

Diverse Wirkstoffe aus:

 

Indikationsgebiete:

 
  Manteltier, Moostierchen, Seehase, Schwamm, Haie, Meeresschnecke   Onkologie  
  Marine Würmer   M. Alzheimer, Schizophrenie
  Schwämme   Entzündung, Asthma bronchiale, Schuppenflechte  
  Weichkoralle   Entzündung, Wundheilung  

Der erste arzneilich verwendete marine Wirkstoff, der 2006 auch in der EU zugelassen wurde, ist ein Schmerzmittel Ziconotoid (Prialt ®) aus der Kegelschnecke (Conus magus). Das Schmerzmittel ist rund 1000-mal wirksamer als Morphin.

Im Folgenden werden nur einzelne, aktiv giftige Meerestiere, aufgeführt.

Zu den aktiv giftigen Meerestieren gehören Schwämme (unter den etwa 500 Arten gibt es nur relativ weinige, die bei Kontakt für den Menschen unangenehme Folgen hervorrufen können) sowie Nesseltiere.

Zu den Nesseltieren zählt man u. a. Feuer- und Steinkorallen, Federpolypen und andere Polypenstöcke, Feuer- oder Leuchtquallen, Haar- und Nesselquallen, Staatsqualle oder Portugiesische Galeere*, Würfelqualle oder Seewespe*, Seeanemonen und Blumentiere.

Zu einer weiteren Gruppe aktiv giftiger Meerestiere zählt man die Weichtiere (Mollusken wie die Kegelschnecke*), Kopffüßler (Krake) wie der Blaugeringelte Octopus*, Würmer und Borstenwürmer, Stachelhäuter, Dornenkronensterne*, Seeigel, Seewalzen, Seegurken sowie die Gruppe der giftigen Fische wie Rochen, Stachelhai, Weberfische, Drachenfische, Petermännchen, Himmelsgucker und Skorpionsfische, Drachenköpfe, Rotfeuer*-, Feuer-, Zebra-, und Steinfisch*. Aber auch Welse sowie „andere Fische mit Giftstacheln“ (Frosch- und Krötenfische, Kaninchenfische, Doktorfische, Muränen, Schleimfische).

Schließlich zählen zu den aktiv giftigen Fischen auch Fische mit giftigen Hautsekreten wie die Kofferfische (Igelfische zählen zu den passiv giftigen Meerestieren) und Seeschlangen.
* nachfolgend näher beschrieben